Handelt es sich um ein Fahrrad?

Flann O’Brien, Der Dritte Polizist, Suhrkamp TB, 16,80 DM

Natürlich handelt es sich um ein Fahrrad. Wenn dieses Buch von etwas handelt, dann von Fahrrädern. Auf jeden Fall nicht von einem dritten Polizisten. Vielleicht noch von den Lehren des Universalgelehrten De Selby, von dem z.B. die Theorie stammt, bei der Nacht handle ‘es sich um eine unhygienische Veränderung der Atmosphäre, die auf der Verdichtung schwarzer Luft beruht’. Oder von den Zwiegesprächen des Erzählers mit seiner Seele, die er ‘der Einfachheit halber Joe’ nennt. Wer denkt sich sowas aus ? Auf dem Umschlag steht Flann O’Brien, aber das stimmt nur halb. Eigentlich hieß der Mann Brian O’Nolan und war Angestellter der irischen Regierung, was ihm angeblich verbot, unter seinem echten Namen zu veröffentlichen. Wahrscheinlich hatte er aber auch richtigen Spaß daran, die Leute zu verwirren. Für seine geniale Kolumne Cruiskeen Lawn, die ab 1940 in der Irish Times erschien, dachte er sich noch ein weiteres Pseudonym aus, Myles na Gopaleen. 1939 erschien sein erster Roman ‘In Schwimmen-zwei-Vögel’, war erfolgreich und wurde hoch gelobt, unter anderem von James Joyce, der in O’Brien a real writer with a true comic spirit entdeckte. Zuständiger Lektor war ein Herr namens Graham Greene, und hier wird die Sache nochmal interessanter, der zweite Roman nämlich, im Original The Third Policeman, wurde aus unerfindlichen Gründen abgelehnt und erst 1967, ein Jahr nachdem O’Brien, passenderweise am 1. April, gestorben war, veröffentlicht; und Graham Greene wurde bekannt mit dem Drehbuch zu einem Film namens The Third Man (Der Dritte Mann), der zwar inhaltlich nichts mit O’Briens Geschichte zu tun hat, der Titel aber ist scheinbar geklaut. Wie dem auch sei, Der Dritte Polizist ist ein Buch, das man gelesen haben sollte, am besten natürlich im Original, die deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt ist aber ein brauchbarer Ersatz.